Rückenschmerzen am Arbeitsplatz

Rückenschmerzen Büroarbeit

Ein Viertel aller Beschäftigten in Deutschland hat laut einer Studie der pronova BKK oft mit Rückenschmerzen zu kämpfen. Nur acht Prozent haben überhaupt keine Rückenprobleme, der Rest gelegentlich. Muskel-Skelett-Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen für krankheitsbedingte Ausfälle. Aus diesem Grund ist die rückengerechte Gestaltung des Arbeitsplatzes und viel Bewegung wichtig. Wir geben Tipps, wie man präventiv gegen Rückenschmerzen vorgehen kann.

Rückenschmerzen durch Stress

Wer kennt das nicht? Man verbringt den ganzen Tag im Büro, meistens im Sitzen, kommt nach Hause und ist nur schlapp. Der ganze Körper ist erschöpft und der Rücken ist völlig verkrampft. Die pronova BKK befragte in ihrer Studie 1.875 Mitarbeiter nach gesundheitlichen Beschwerden am Arbeitsplatz. Interessant und zugleich besorgniserregend ist, dass sich fast 90 Prozent der Arbeitnehmer in ihrem Beruf gestresst fühlen. Stress wiederum wirkt sich auf den ganzen Körper aus, insbesondere auch auf den Rücken. Kommt mangelnde Bewegung hinzu, kann das ernsthafte Folgen haben. Dieses Phänomen zieht sich durch alle Altersgruppen und kann Alt wie Jung betreffen. Die pronova BKK Studie ergab, dass auch unter den jüngeren Beschäftigten (18-29 Jahre alt) nur 14 Prozent keine Rückenschmerzen kennen, 23 Prozent von ihnen leiden sogar an chronischen Beschwerden des Haltungsapparats.

Schlechte Arbeitsbedingungen und mangelnde Bewegung

Leider werden Rückenschmerzen oft ignoriert. Man nimmt sie einfach hin, bis zu dem Zeitpunkt, wenn sie unerträglich werden“, sagt Arbeitsmedizinerin Dr. med. Alexandra Keinert von Betriebsarztservice. „Die Ursache sind oft nicht optimale Arbeitsbedingungen und wenig Bewegung“. Mit präventiven Maßnahmen können Arbeitgeber ihre Beschäftigten vor Rückenproblemen schützen. Wichtig ist es auch, mehr Bewusstsein dafür zu schaffen, damit die Mitarbeiter selbst rechtzeitig reagieren können und nicht darauf warten, dass sich die Symptome verschlimmern. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung sind Arbeitgeber verpflichtet, potenzielle Gefährdungen zu identifizieren und Maßnahmen abzuleiten. Das betrifft auch Rückenbeschwerden.

Wie kann der Betriebsarzt helfen?

Wenn man Rückenschmerzen hat, sollte man umgehend einen Betriebsarzt aufsuchen. Er unterstützt bei der Ursachenfindung. Bei Beschäftigten, die hauptsächlich im Büro sitzen, wird üblicherweise der Arbeitsplatz genau überprüft und optimiert. „Unter anderem schauen wir, ob der Bürostuhl und der Schreibtisch ergonomisch individuell eingestellt sind und ob die Lichtverhältnisse passen“, erklärt Dr. med. Keinert. Bei Beschäftigten, die physisch stark arbeiten, werden die Fehlbelastungen genauer untersucht. Bei Bedarf kann auch ein Spezialist konsultiert und eine Behandlung empfohlen werden.

Die Pandemie – ein zusätzlicher negativer Faktor


Die Corona-Pandemie hat zur Verschärfung der Rückenproblematik geführt, da durch das Home-Office viele Arbeitnehmer für längere Zeit nicht mehr an einem ergonomischen Arbeitsplatz gearbeitet haben „Oft ist man dabei auf den Esstisch oder das Sofa ausgewichen, was dem Rücken sicherlich nicht gutgetan hat. Durch den Lockdown und die Einschränkungen bei den Freizeitaktivitäten konnten sich die Menschen auch weniger bewegen, konnten nicht im Fitnessstudio trainieren oder zur Arbeit spazieren“, so Dr. med. Keinert. „Der Rücken merkt sich das natürlich.“ Deshalb sollte auch im Home-Office darauf geachtet werden, einen optimalen Arbeitsplatz zu haben und sich regelmäßig zu bewegen.

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Mehr Abwechslung tut gut

Jede Beschäftigung kann potenziell zu Rückenproblemen führen. Deshalb ist es auch eher schwierig einzuschätzen, ob eine Arbeit gut für den Rücken ist oder nicht. Wichtig ist es stets, mehr Abwechslung und Bewegung in den eigenen Arbeitsalltag zu bringen. „Man sollte nicht ununterbrochen sitzen oder stehen. Pausen eignen sich hervorragend, um etwas anderes zu machen, nach draußen zu gehen oder sich zu dehnen. Manche machen auch Yoga oder joggen kurz“, sagt Dr. med. Keinert.

5 Tipps für den gesunden Rücken am Arbeitsplatz

  1. Ergonomischen Arbeitsplatz einrichten: Wenn Sie im Büro arbeiten, sollte Ihr Betriebsarzt Ihren Arbeitsplatz genauer unter die Lupe nehmen. Entsprechen der Schreibtisch und der Bürostuhl Ihrer Größe? Sind die Lichtverhältnisse in Ordnung? Auch im Home-Office sollten Sie darauf achten, dass Sie optimale Arbeitsbedingungen haben.
  2. Mehr Bewegung: Zum Beispiel, indem Sie immer wieder Ihren Arbeitsplatz verlassen, um Kaffee zu holen, in einem anderen Raum telefonieren oder kurz nach draußen gehen. Versuchen Sie auch in Ihrer Freizeit, körperlich mehr aktiv zu sein, um so eine Balance zum physisch belastenden Arbeitsleben zu schaffen.
  3. Rücken- und Dehnübungen machen: Gönnen Sie Ihrem Körper immer wieder etwas Gutes, indem Sie sich ausgiebig dehnen und Übungen machen. Beispiele: Strecken Sie Ihren linken und rechten Oberarm abwechselnd nach oben oder versuchen Sie stehend Ihre Zehen mit Ihren Fingern zu erreichen.
  4. Abwechslung in den Büroalltag bringen: Beispielsweise mit einem Schreibtisch, bei dem Sie stehen und sitzen können.
  5. Bei Beschwerden rechtzeitig handeln: Sollten Sie Rückenschmerzen haben, beraten Sie sich schnellstmöglich von Ihrem Betriebsarzt. Betriebsärzte können Ihnen Optimal ist eine frühzeitige Prävention, um Beschwerden nicht aufkommen zu lassen. Auch hier kann der Betriebsarzt helfen.

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Nils Olms
Facharzt für Arbeitsmedizin und Innere Medizin

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