Wie gehe ich mit Angst um?

Interview mit Arbeitspsychologin Michelle Müller

Arbeitspsychologie Angst

Redaktion: CHECK Magazin

Berlin, den 20.05.2022

Negative Ereignisse können zu Sorgen und Angst führen, sei es im Privat- oder Berufsleben. Aktuelle Studien zeigen, dass sich die Deutschen aktuell besonders vor immer wiederkehrenden Corona-Wellen, Steuererhöhungen, schweren Erkrankungen, wirtschaftlichen Problemen, aber auch dem Klimawandel und Konflikten im Ausland fürchten. Doch was kann man bei Gefühlen von Angst und Unsicherheit tun? Wir haben bei der Arbeitspsychologin Michelle Müller nachgefragt.

Was ist eigentlich Angst?

Der Psychologe Paul Ekman beschreibt Angst als eine der sieben Basisemotionen oder Grundgefühle, die man in allen Kulturen dieser Welt findet, wie auch Freude oder Trauer. Dennoch empfinden wir sie immer individuell. So haben sich etwa während der Pandemie die einen mehr und die anderen weniger über ihre Gesundheit gesorgt. Angst ist zudem sehr nützlich, denn sie warnt uns in gefährlichen Situationen davor, Risiken einzugehen. Problematisch wird es aber, wenn sie die Überhand gewinnt und zu irrationalem Verhalten führt oder uns blockiert.

Kann man Angst vermeiden?

In der Corona-Pandemie, aber auch jetzt während der Ukraine-Krise, tendieren die Menschen aus Angst dazu, noch mehr Medien zu konsumieren. Doch kann genau das zu noch mehr Angst führen. Natürlich sollte man aktuelle Entwicklungen verfolgen, doch der exzessive Medienkonsum hilft nicht weiter. Daher wird empfohlen, allgemeine Nachrichten und andere Medien maßvoll zu
konsumieren und darauf zu achten, dass es sich um qualitativ gut recherchierte Berichterstattung handelt, um den Spannungszustand nicht zu verstärken.
Man tut dem Körper nichts Gutes, wenn man ständig im Alarmmodus ist. Durch das ununterbrochene Verfolgen von Nachrichten, sozialen Medien und Berichterstattungen kann man nicht richtig abschalten. Das führt zu Stress und einer Verstärkung negativer Gefühle. Die Folgen sind oftmals Schlaf mangel, Unruhe und ein damit verbundenes Unwohlsein, da notwendige Erholungsphasen nicht eingehalten werden.

Was, wenn die Angst in Ohnmacht umkippt?

Das Gefühl der Ohnmacht entsteht, weil unser Gehirn einen negativen Zustand zwar nachvollziehen kann, unser innerer Gemütszustand dabei aber durcheinander gerät. Aufgrund einer sogenannten Negativitätsverzerrung wirken sich negative Gedanken und Gefühle stärker auf uns aus als positive. Das kann zu einer Spirale der Negativität führen, aus der man schwer rauskommt und es kann zu Depressionen kommen. Negativer Stress verringert unsere Denkfähigkeit, wir sind weniger leistungsfähig und Probleme lassen sich dann nicht mehr so leicht lösen.

Was kann man bei ganz akuten Angstmomenten tun?

Es ist wichtig, die negativen Situationen zu erkennen und zu lernen, mit ihnen um zugehen. Hier kann es helfen, den Fokus auf das eigene Wohlbefinden und das des näheren Umfelds zu richten. Auch sinnvoll ist es, über die guten Seiten des Lebens nachzudenken und dann erst recht zu versuchen, einen positiven Ausblick auf das Leben zu behalten, egal wie schwer es grade fällt. Man kann sich selbst helfen, indem man beispielsweise Notizen führt und aufschreibt, was gut funktioniert und worüber man sich freut. Gespräche mit der Familie und Freunden können auch zum Stressabbau beitragen, wobei man sich hier eher auf Positives und nicht auf die aktuellen Nachrichten konzentrieren sollte.

5 Tipps, um mit schlechten Nachrichten umzugehen

  1. Reden: Sprecht mit eurer Familie, den Freunden und Kollegen über die Ereignisse. Teilt eure Sorgen. Versucht dabei aber nicht, in die Negativitäts-Falle zu tappen, sondern macht euch gegenseitig Mut, dass es bald wieder besser wird.
  2. Weniger Nachrichten schauen: In Krisenzeiten haben wir die Tendenz, noch mehr Nachrichten zu konsumieren, um nichts zu verpassen. Es reicht aber, sich einmal am Tag zu informieren.
  3. Gutes im Blick behalten: Denkt mehr darüber nach, was in eurem Leben momentan gut funktioniert. Stärkt euch selbst und werdet positiver. Das hilft dabei, mit schwierigen Situationen besser umzugehen.
  4. Sich engagieren: Bei einem Gefühl der Hilflosigkeit kann es helfen, sich für den guten Zweck zu engagieren. Zum Beispiel mit Spenden oder durch persönliche Unterstützung von Menschen, denen es ebenfalls schlecht oder noch schlechter geht.
  5. Nicht in Panik geraten: Aus Angst können panische Reaktionen entstehen, die weder sinnvoll für einen selbst noch die Gesellschaft sind. Bewahrt Ruhe und handelt nicht überstürzt.

Über Betriebsarztservice

Die Betriebsarztservice Holding GmbH wurde in 2018 in Berlin gegründet und ist ein führender Full-Service-Anbieter für die Bereiche Arbeitsmedizin, Arbeitssicherheit und Arbeitspsychologie. Neben der gesetzlichen Grundbetreuung bietet Betriebsarztservice betriebsspezifische Leistung und individuelle Zusatzleistungen (z.B. Impfungen, Workshops oder psychologische Check-ups) an. Dabei ist das Unternehmen der erste Anbieter im Markt, welches im Rahmen eines hybriden Servicemodells physische als auch digitale Serviceleistungen kombiniert. Dadurch möchte Betriebsarztservice in den Unternehmen und für deren Mitarbeiter eine bestmögliche Betreuung in den Bereichen Gesundheit und Sicherheit sicherstellen.

Das Unternehmen obliegt der Geschäftsführung von Christoph Tismer, beschäftigt 70 Mitarbeiter und hat ihren Hauptsitz ist in Berlin, mit weiteren Praxen in Hamburg, Rostock, Kiel, Frankfurt am Main, Köln, Düsseldorf und Stuttgart.

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