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Fallbeispiel: GB Psych mit Burnout Prävention

Das Unternehmen stellt einen Niederlassungsverbund dar als Teil eines großen deutschen Konzerns im Finanz- & Versicherungssektor. Die unterschiedlichen Niederlassungen (ca. 250 Mitarbeiter) sind auf verschiedene Standorte verteilt und auf den norddeutschen Raum zentriert. Der Großteil der Belegschaft besteht aus Vertriebsmitarbeitern, welche Finanz- und Versicherungsprodukte sowie -dienstleistungen vertreiben. Eine hohe Zielvorgabe und die daraus resultierenden Arbeitsbelastungen zeigten bereits erste Konsequenzen. Der Krankenstand ist auf dem höchsten Stand der Unternehmensgeschichte und auch die Fluktuation insbesondere neuer Mitarbeiter ist rapide angestiegen. Das Vorliegen hoher psychischer Belastungen ist für alle Beschäftigten bereits offensichtlich.

Das Ziel

Die durchgeführte psychische Gefährdungsbeurteilung zielte darauf ab, das konkrete Ausmaß der vorliegenden psychischen Belastungen zu quantifizieren. Ebenso sollten die Ursachen für die Belastungen identifiziert werden. Daraus abgeleitete Maßnahmen sollten darauf abzielen, die Gesundheit der Mitarbeiter zu erhöhen, um gleichzeitig auch die finanziellen Einbußen des Unternehmens aufgrund zunehmenden Krankheitsausfällen und Kündigungswellen zu reduzieren.

Wie kann das erreicht werden?

Im Rahmen eines ersten Orientierungsgespräches konnte BAS erste Einblicke in die Unternehmensstruktur gewinnen, sowie Ansprechpartner kennenlernen. Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Gefährdungsbeurteilung ist auch eine erste Bestandsaufnahme der Ist-Situation.

Auf deren Basis fiel, nach Abwägung verschiedener Messinstrumente, die Entscheidung auf eine unternehmensweite Mitarbeiterbefragung anhand einer Onlineplattform. Diese bietet den Vorteil einer standortunabhängigen und effizienten Erfassung aller relevanten psychischen Belastungsfaktoren. Die Bearbeitung dauerte im Durchschnitt 20-25 Minuten. Folgende Faktoren und Handlungsfelder wurden unter anderem abgefragt:

  • Psychische Gesundheit (u.a., Konzentration, Burnout)
  • Motivation (u.a., Begeisterung, Leistungsbereitschaft)
  • Arbeitsorganisation (u.a., Arbeitsintensität, Überstunden)
  • Unternehmenskultur (u.a., Strategie, Wertschätzung)
  • Führung (u.a., fachliche Führungskompetenz, Feedback)

Die Ergebnisse

Auswertung und Ergebnisrückmeldung an Personalabteilung, Geschäftsführung und Mitarbeitervertretung erfolgten in persönlichem Austausch, bei Bedarf auch mit spezifischen Auswertungsworkshops an einzelnen Standorten. Zusätzlich standen die wesentlichen Ergebnisse auf der Onlineplattform für das Steuergremium zur Verfügung. Vergleiche mit branchenübergreifenden Referenzwerten sowie Einschätzungen anhand wissenschaftlicher Kennwerte ermöglichten eine Priorisierung der Aspekte mit akutem Handlungsbedarf, wie unter anderem:

  • Akutes Burnout-Risiko mit teilweise extremen Burnout-Werten
  • Sehr hohes Aufkommen an psychosomatischen Beschwerden
  • Zielvorgaben seitens der Unternehmensführung zu hoch
  • Stellenweise subjektive Qualifikation unzureichend

Trotz kritischer Ausprägungen mancher Aspekte, konnten auch positive Ressourcen gefunden werden:

  • Hoher Zusammenhalt im Team
  • Qualifizierte Unterstützung durch die Führungskraft
  • Hohes Gehalt

Welche Maßnahmen wurden daraufhin durchgeführt?

Anhand der Priorisierung der Handlungsfelder wurden konkrete Maßnahmen entwickelt, um zum einen die Folgen der Belastungen, zum anderen die Ursachen präventiv zu adressieren. Konkrete Umsetzungspläne erleichterten die Dokumentation und Evaluation der Maßnahmen. Auf Unternehmensebene konnten unter anderem folgende Maßnahmen realisiert werden:

  • Anpassung der Zielvorgaben
  • Überarbeitung zentraler KPIs
  • Erneute Evaluation des Qualifikationsbedarfs
  • Stärkere Fokussierung langfristiger Personalplanung
  • Einführung betrieblicher Gesundheitsmultiplikatoren

Auf Personenebene wurden unter anderem folgende Maßnahmen umgesetzt:

  • Individualberatung bezüglich Angebote psychotherapeutischer Leistungen (bei Bedarf)
  • Aufstockung des individuellen Fortbildungsbudgets
  • Workshops zu Stressmanagement & Resilienz (bei Bedarf)

Wie geht es weiter?

Langfristig wurden regelmäßige Gesundheitsworkshops etabliert. Auf diesen konnten durchgeführte Maßnahmen periodisch evaluiert sowie mit einem Fortführungs- und Aktualisierungsplan abgeglichen werden. Eine Evaluation des Gesamtprozesses der Gefährdungsbeurteilung wurde nach drei Monaten durchgeführt. Diese hob best-practice Beispiele hervor und bot eine Grundlage für Diskussionen bezüglich Verbesserungspotential. Eine Wiederholung der Gefährdungsbeurteilung soll in einem Jahr erfolgen, um die angestrebten Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und Gesundheitsaspekte durch die Maßnahmen zu überprüfen.

Fazit

Die psychische Gefährdungsbeurteilung identifizierte ein akutes Burnout-Risiko im Unternehmen, welches bereits mit starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen einher ging. Die konkrete Quantifizierung machte die Dringlichkeit des Handlungsbedarfs deutlich. Auf Basis der identifizierten kritischen Handlungsfelder konnten konkrete Maßnahmen initiiert werden, welche langfristig die Gesundheit der Mitarbeiter sicherstellen.

Letzte Aktualisierung: 11.03.2020
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