Woran Sind Sie interessiert?

Die meistgesuchten Themen

Fallbeispiel: GB Psych in kleinem Unternehmen

Ein ambulanter Pflegedienst mit ca. 50 Mitarbeitern bietet einen mobilen Pflegedienst an. Der Großteil der Beschäftigen ist im Außendienst tätig und pflegt ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen ambulant in ihren Wohnungen oder die der Angehörigen. Um den Bedürfnissen der Betreuten gerecht zu werden, ist Schichtarbeit notwendig.

Das Ziel

Die psychische Gefährdungsbeurteilung zielte darauf ab Risikofaktoren im Unternehmen zu identifizieren. Insbesondere bereits offensichtliche Probleme (z.B. Belastung durch Schichtarbeit, geringe Identifikation mit dem Unternehmen) sollten stärker fokussiert werden.

Wie kann das erreicht werden?

Durch ein Orientierungsgespräch erhielt BAS wertvolle Einblicke in die Strukturen des Unternehmens bei dem ebenso Kontakte zu Ansprechpartnern aufgebaut wurden. Zusätzlich konnte ein erster Eindruck über die aktuelle Situation gewonnen werden.

Die Unternehmensgröße legte eine unternehmensweite Beurteilung nahe. Da die Geschäftsführung großen Wert auf Transparenz und Partizipation legt, wurde sich gegen eine anonymisierte Befragung zugunsten von persönlichen Analyseworkshops vor Ort entschieden. Somit wurden halbtägige Analyseworkshops durchgeführt mit den Organisationseinheiten der Führungsebene, der Verwaltung/Bürokräfte und dem Außendienst. Analysiert und diskutiert wurden unter anderem Themen und Handlungsfelder wie beispielsweise:

  • Arbeitsorganisation (u.a. Arbeitszeit, -ablauf)
  • Soziale Beziehungen (u.a. Team- & Betriebsklima, Konfliktpotential)
  • Führung (u.a. Zielvereinbarungen, Feedback)
  • Arbeitstätigkeit (u.a. Handlungsspielraum, Verantwortung)

Die Ergebnisse

Die Ergebnisse wurden während des Workshops dokumentiert und anschließend gemeinsam mit der Unternehmensführung ausgewertet. Es fand eine Priorisierung der Faktoren mit dem größten Handlungsbedarf statt. Diese waren unter anderem:

  • Hohe körperliche und psychische Belastung durch Schichtarbeit
  • Sinkende Identifikation mit dem Unternehmen
  • Fehlende Führung
  • Geringer Handlungsspielraum

Positive Faktoren, die besonders hervorgehoben wurden:

  • Wertschätzung durch Kunden
  • Positives Betriebsklima
  • Sinnhaftigkeit der Tätigkeit

Welche Maßnahmen wurden daraufhin durchgeführt?

Auf Basis der Ergebnisse wurden partizipativ auf allen Ebenen individuelle Maßnahmenworkshops durchgeführt. Zusätzlich wurden Umsetzungspläne sowie Dokumentationsvorlagen entworfen, um die Umsetzung und Evaluation der Maßnahmen zu erleichtern. Unternehmensweit wurden unter anderem folgende Maßnahmen umgesetzt:

  • Einführung einer Schichtplanungssoftware, welche die Erstellung optimierter Schichtpläne erleichtert, wodurch die Belastung durch ungünstige Schichtsysteme minimiert wird
  • Einführung eines wöchentlichen Teamtreffens, in dem Erfahrungsaustausch und Problemlösen ermöglicht wird
  • Erweiterung des Handlungsspielraums z.B. durch selbständige Terminierung der Kundentermine durch die zuständige Pflegekraft
  • Einführung regelmäßiger Zielvereinbarungs- und Feedbackgespräche mit zuständiger Führungskraft
  • Führungskräftetraining zu Themen wie Kommunikation und Führungsstil
  • Entwicklung und Erprobung einer corporate identity, partizipativ mit den Mitarbeitern

Wie geht es weiter?

Die Evaluation durchgeführter Maßnahmen sollte als essenzieller Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung integriert werden. Einzelmaßnahmen wie Trainings konnten in Teilen unmittelbar evaluiert werden. Langfristige Maßnahmen wurden in regelmäßigen Meetings mindestens einmal pro Monat thematisiert sowie anhand der entworfenen Dokumentationsvorlagen dokumentiert und evaluiert. Eine Evaluation des Gesamtprozesses lieferte die notwendige Qualitätssicherung anhand der Identifizierung von Positivbeispielen sowie Verbesserungspotential.

Aufgrund der kleinen Unternehmensgröße kann eine Gefährdungsbeurteilung anhand von Analyseworkshops zeiteffizient durchgeführt werden. Es wurde beschlossen, die Gefährdungsbeurteilung jährlich zu aktualisieren.

Fazit

Durch die psychische Gefährdungsbeurteilung konnten bereits bekannte Probleme, wie die Belastung durch Schichtarbeit oder die geringe Identifikation mit dem Unternehmen, spezifisch adressiert werden. Ebenso wurden weitere Problemfelder identifiziert, die bisher noch nicht offen thematisiert wurden, wie beispielsweise die Belastung durch geringen Handlungsspielraum. Der partizipative Ansatz ermöglichte eine hohe Transparenz und Akzeptanz der Mitarbeiter. Durch die regelmäßige Dokumentation und Evaluation konnten die Maßnahmen und deren Erfolg nachhaltig gesichert werden.

Letzte Aktualisierung: 11.03.2020
Kontakt