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Fallbeispiel: GB Psych im Produktionsbetrieb

Bei dem Unternehmen handelt es sich um einen mittelständischen metallverarbeitenden Betrieb (ca. 100 Mitarbeiter). Hauptsächlich produziert werden Montage- und Ersatzteile für die Automobilindustrie wie beispielsweise Bremshebel oder Fußpedale an einem festen Standort. Die Statistiken zu Arbeitsunfällen und Krankeitsausfällen sind durchschnittlich. Besondere Auffälligkeiten lagen aktuell nicht vor.

Das Ziel

Ziel der psychischen Gefährdungsbeurteilung war es, die aktuellen Arbeitsbedingungen zu bewerten sowie Verbesserungs- und Handlungspotentiale aufzuzeigen. Insbesondere die produzierenden Bereiche sollten fokussiert werden, da hier bisher noch keine umfassende Bewertung stattgefunden hat.

Wie kann das erreicht werden?

Eine erste Bewertung der vorliegenden Ist-Situation bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Bedarfs- und Umsetzungsplanung. Diese konnte anhand eines ersten Orientierungsgespräches erfolgen, welches auch ein erstes Kennenlernen der verantwortlichen Ansprechpartner ermöglichte.

Trotz der erleichterten Bedingungen eines einzelnen Standorts, fiel die Entscheidung auf eine Onlinebefragung. Jene ermöglichte eine effiziente Gesamtbetrachtung aller wichtigen Facetten psychischer Belastung. Die Bearbeitung dauerte im Durchschnitt 20-25 Minuten. Abgefragt wurden unter anderem Handlungsfelder und Faktoren wie beispielsweise:

  • Arbeitsaufgabe (u.a. körperliche Anforderungen, Aufgabenvielfalt)
  • Raum und Zeit (u.a. Arbeitsmittel, Arbeitsplatzgestaltung)
  • Personenbezogene Aspekte (u.a. Qualifikation, Bedeutsamkeit)

Für einzelne Arbeitsplätze wurden bedarfsorientiert vertiefende Instrumente eingesetzt wie Beobachtungsinterviews. Hierbei wurden beispielsweise Aspekte abgefragt wie:

  • Arbeitsausführung (u.a. Bedienelemente, Wiederholungen)
  • Arbeitsmittel (u.a. Werkzeuge, Stoffe)

Die Ergebnisse

Die Auswertung der Ergebnisse wurde den Verantwortlichen präsentiert. Diese hatten ebenso Zugriff auf die Onlineplattform, auf der die wichtigsten Ergebnisübersichten abrufbar waren. Anschließend erfolgte eine Priorisierung der Faktoren mit dem größten Handlungsbedarf. Diese waren unter anderem:

  • Hoher Qualifizierungsbedarf
  • Geringe Aufgabenvielfalt
  • Überdurchschnittlich hohe körperliche Belastungen aufgrund monotoner und gleichzeitig hochfrequentierter Bewegungsabläufe
  • Vereinzelte risikobehaftete Arbeitsausführungen (z.B. Überkopfarbeiten, Drehungen der Körperachse um mehr als 90°)
  • Hoher Anteil stehender Tätigkeit

Aber auch positive Faktoren sollten hervorgehoben werden. Diese waren unter anderem:

  • Positives Betriebsklima
  • Wertschätzung durch Führungskräfte
  • Partizipation an Unternehmensentscheidungen

Welche Maßnahmen wurden daraufhin durchgeführt?

Gemeinsam mit dem Steuergremium, sowie im Rahmen von vereinzelten partizipativen Maßnahmenworkshops, wurden auf Basis der Ergebnisse individuelle Maßnahmen geplant und umgesetzt. Umsetzungspläne und Dokumentationsvorlagen sollten die Qualität und Nachhaltigkeit der Umsetzungen sicherstellen. Unter anderem wurden folgende Maßnahmen umgesetzt:

  • Erstellung eines Arbeitsplatzrotationsplans zur Vorbeugung von Monotonie und einseitiger Belastung sowie Gewährleistung von inhaltlichem Abwechslungsreichtum
  • Qualifizierung der Mitarbeiter, um beispielsweise technische Störungen selbstständig beseitigen zu können
  • Bereitstellung zusätzlicher Arbeitsmittel (z.B. Trittleiter zur Vermeidung von Überkopfarbeiten; Sicherheitsschuhe, die physische Belastung bei stehenden und tragenden Tätigkeiten verringern)
  • Angebote wöchentlicher Physiotherapiesitzungen vor Ort (bei Bedarf)
  • Auffrischung der Betriebsanweisungen zum Thema Arbeitsschutz
  • Workshop zum Thema Stressmanagement (auf expliziten Wunsch einiger Mitarbeiter)

Wie geht es weiter?

Die Nachhaltigkeit und Effektivität der durchgeführten Maßnahmen wurden in den bereits monatlich stattfindenden Team-Meetings thematisiert und regelmäßig überprüft. Generell wurden Evaluationen durchgeführter Maßnahmen als essenzieller Bestandteil in die Gefährdungsbeurteilung integriert. Ebenso wurde der Gesamtprozess der Gefährdungsbeurteilung evaluiert. Dies ermöglicht die Dokumentation von Positivbeispielen sowie auch Verbesserungspotential für zukünftige Beurteilungen. Eine Wiederholung der psychischen Gefährdungsbeurteilung soll nach Bedarf erfolgen, sobald diese als notwendig erachtet wird, spätestens allerdings in 2 Jahren.

Fazit

Durch die psychische Gefährdungsbeurteilung konnte effizient ein umfassendes Bild der Arbeitsbedingungen gewonnen werden. Insbesondere im Bereich der Produktion wurden einige Risikofaktoren identifiziert, welche langfristig zu negativen gesundheitlichen Konsequenzen hätten führen können. Durch gezielt eingesetzte Maßnahmen wurden die Faktoren adressiert und deren Erfolg anhand Evaluation und Dokumentation nachhaltig gesichert.

Letzte Aktualisierung: 11.03.2020
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